Als die drei Mädchen die Bühne des Aufnahmestudios verunsichert betreten, sitzt Arno schon hinten auf seinem „Thron“. Arno ist der Regisseur der Castingshow namens „Creeps“ und zieht die Fäden in diesem Spiel, bei dem die Mädchen nur verlieren können.
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Jede von ihnen kommt in der Annahme, das Casting bereits gewonnen und damit die beliebte Moderatorenrolle ergattert zu haben. Was sie nicht wissen: Das Casting steht ihnen allen noch bevor und sie müssen sich nicht nur gegen die anderen durchsetzen, sondern werden dabei zum Gespött aller Zuschauer. Der Regisseur führt die Mädchen vor, sie müssen unvorbereitet singen, tanzen und werden zu Modepüppchen umgestylt. Dabei wird ihnen immer wieder suggeriert, wie perfekt sie für diesen Job seien, selbst wenn schiefe Gesangstöne durch das Studio schallen.
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Luc Heger in der Rolle des Regisseurs, Shana Jost als Maren, Livia Ilaender als Lilly sowie Marie Lukas als Petra überzeugen in ihren Rollen und machen deutlich, wie sehr die Medien Menschen in Sendungen wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany’s next Topmodel“ vorführen. Auch der Stylist (Julius Decker) und die bereits schon ausgesuchte Moderatorin Kathleen (Enikö Koncz) haben ihre Finger im Spiel und machen damit deutlich, dass nicht nur ein einziger hinter all dem steckt.
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Die Regieassistentin (Svenja Beisner) ist dabei ebenso Opfer im System wie die Mädchen und erledigt die „Drecksarbeit“ für die Personen, die bei all dem die Fäden ziehen. Lediglich der Vater von Lilly (Simon Schulte) erkennt, dass die Dinge, die im Studio vor sich gehen, nicht legal sind und droht dem Regisseur. Doch trotz seines großen Einflusses und genügend finanzieller Mittel sind auch ihm am Ende die Hände gebunden.
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Das Jugendtheaterstück „Creeps“, im Jahr 2000 von Lutz Hübner geschrieben, zeigt, wie viel Macht die Medien über uns ausüben und wie wichtig es ist, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Das haben die jungen Schauspieler dem Publikum vor Augen geführt. Die ursprünglich vier Rollen des Stücks haben die Schauspieler der Mittelstufe um weitere vier Rollen geschickt ergänzt und erweitert. Die Regie lag bei den Deutschlehrerinnen Barbara Ebels und Julia Müller.

Text: Julia Müller
Fotos: Cordula Engel