Der Deutsche Bundestag lädt in jedem Januar 80 Jugendliche aus Deutschland und seinen Nachbarländern, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen oder sich gegen Antisemitismus und Rassismus engagieren, zur Internationalen Jugendbegegnung zum 27. Januar, dem Gedenktag an die Opfer des Holocaust, ein. Gina hatte sich intensiv mit der jüdischen Geschichte Siegburgs auseinandergesetzt und mehrfach darüber referiert. Auch die Gedenkstättenfahrt im April 2017 nach Buchenwald hatte sie mit vorbereitet. Aufgrund ihres großen Interesses und Engagements hatte Schul-Pfarrerin Annette Hirzel sie für die Teilnahme in Berlin benannt.

In diesem Jahr beschäftigten sich die jungen Teilnehmer intensiv mit dem Schicksal von Kindern und Jugendlichen, die während der NS-Zeit versteckt und so gerettet wurden. Dazu gehört auch der israelische Historiker und Holocaust-Überlebende Prof. Dr. Saul Friedländer, der diesjährige Redner bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag. Auch der bekannte Quizmaster Hans Rosenthal, der älteren Generationen noch aus seinen Fernsehsendungen „Dalli Dalli“ in den 1970er und -80er Jahren bekannt sein dürfte, hatte als jüdischer Junge im Versteck überlebt. Mit seiner Tochter und seinem Sohn kamen die Jugendlichen ebenfalls ins Gespräch. Höhepunkt war die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble bezeichnete die Erinnerungskultur als Aufgabe der Zivilgesellschaft und des Staates. Wer daran rütteln wolle, lege Hand an eine Grundfeste der Republik. Zum Abschluss nahmen die Jugendlichen an einer Podiumsdiskussion mit ihm und Prof. Friedländer teil.

Hier Ginas Eindrücke:
Mein erster Eindruck, als ich in Berlin angekommen bin, war überwältigend. Die vielen Jugendlichen aus den unterschiedlichsten Ländern mit ihren persönlichen Geschichten und Motiven, an der Jugendbegegnung teilzunehmen, kennenzulernen, war schon einer der vielen besonderen Momente.

Am ersten Tag sind wir nach der Zimmerbelegung und Aufteilung alle zusammen zum Bundestag gelaufen, um uns dort besser kennenlernen zu können mit Hilfe von Spielen. Später wurden wir dann in fünf Gruppen eingeteilt, in denen wir den größten Teil der Zeit verbracht haben.

Das diesjährige Thema der Internationalen Jugendbegegnung war "Versteckte Kinder im Nationalsozialismus ". Auf dem straffen, aber sehr eindrucksvollen Programm stand unter anderem der Besuch im Anne-Frank-Zentrum Berlin oder das Impulsreferat über verschiedene Familien und ihre Schicksale mit anschließender Ausstellung im Bendlerblock. Darüber hinaus waren wir die ersten, die die amerikanische Ausstellung „Einige waren Nachbarn“ im Bundestag besichtigen durften, wo danach noch eine Diskussionsrunde stattgefunden hat. Ein weiteres Highlight war es, die Kinder von Hans Rosenthal und die Französin Hélène Waysbord zu treffen und ihnen zahlreiche Fragen stellen zu können darüber, was sie erlebt haben. Doch der krönende Abschluss war die Gedenkstunde im Bundestag und die Podiumsdiskussion mit Saul Friedländer und dem Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble. Es war eine sehr emotionsgeleitete und anregende Diskussion, bei der der Überlebenden Saul Friedländer einiges Interessante über sein Leben und den Tod seiner Eltern erzählt hat. Saul Friedländer ist als sehr positiv denkender, sympathischer Mann in Erscheinung getreten, was immer noch sehr beeindruckend ist, wenn man bedenkt, was er in so jungen Jahren alles erleben und verarbeiten musste.

Alles in allem bin ich sehr froh, an der Internationalen Jugendbegegnung teilgenommen zu haben, denn dort betritt man eine ganz neue und einzigartige Welt. Die Zeit dort war sehr intensiv, man hat viel mit seinen Gruppenmitgliedern gesprochen, man hat sich ausgetauscht und viel diskutiert, um selber das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten. Teilweise sind neue und beständige Freundschaften entstanden, was noch einer der vielen positiven Aspekte der Jugendbegegnung ist.