Wir gratulieren dem mit unserer Schule verbundenen Holocaust-Überlebenden Naftali Fürst zur Ehrenbürgerwürde der Stadt Weimar.
Zwischen 2006 und 2014 war der jüdische Auschwitz- und Buchenwald-Überlebende fünfmal zu Gast am Anno-Gymnasium. Hunderte junger Menschen haben ihn hier kennengelernt und wurden berührt von der Warmherzigkeit, Lebensfreude und Ausstrahlung eines Mannes, der fast 60 Jahre gebraucht hatte, bevor er je wieder einen Fuß auf deutschen Boden gestellt und Deutsch gesprochen hat.

Als 12jähriger hatte er zusammen mit seinem 2 Jahre älteren Bruder 1033 Nächte in 4 Konzentrationslagern und einen Todesmarsch von Auschwitz nach Buchenwald überlebt. Eine ganz seltene Familiengeschichte, bei der sich nach Kriegsende die von ihren Kindern getrennten Eltern und ihre beiden Söhne aus Bratislava (Pressburg) wiederfanden. Später wanderten sie nach Israel aus.

Mehrere Male hatten Schülergruppen bei ihrer Gedenkstättenfahrt nach Buchenwald seitdem die Gelegenheit, ihn auch hier, am Ort und zum Zeitpunkt seiner Befreiung am 11. April 1945, zu erleben.
Die für 2020 geplante Gedenkstättenfahrt, bei der eine Anno-Schülergruppe die Ehre gehabt hätte, die Fahnen der Opferländer bei der offiziellen Befreiungsfeier auf dem ehemaligen Appellplatz zu tragen, musste pandemiebedingt abgesagt werden. Bleibt die Hoffnung, dass die Befreiungsfeierlichkeiten 2022 wieder stattfinden, die letzten Überlebenden anreisen und auch Gedenkstättenbesuche von Schülergruppen wieder möglich werden.


Frst

Nun hat die Stadt Weimar Naftali Fürst am 9. Juli 2021 die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Auch wenn die persönliche Übergabe der Urkunde noch aussteht, wurde doch die Urkunde am 9. Juli 2021 vom Oberbürgermeister der Stadt Weimar feierlich unterzeichnet.
Damit ehrt die Stadt Naftali Fürst in besonderer Weise, weil er „seit Jahrzehnten als Aufklärer im Prozess der Erinnerungskultur zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ wirkt und auf eindrucksvolle Weise Menschen aller Generationen anzuregen vermag, „sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen sowie Empathie und Eigenverantwortung zu schulen. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist er ein authentischer Vermittler für Demokratie, Menschenrechte und gelebten Humanismus.“


Zu den verschiedenen Zeitzeugenbegegnungen mit ihm am Anno findet man hier eine Zusammenfassung: http://www.anno-gymnasium-su.de/index.php?option=com_content&view=article&id=223:zeitzeugengespraech-mit-naphtali-fuerst&catid=121&Itemid=231


Annette Hirzel