Tam-Tam am Flughafen. Wie nach dem Ausbruch des Eyjafjallahjökull liegt der Flugverkehr in halb Europa lahm. An einem Flughafen – der Jingle deutet auf Köln/Bonn hin – sitzen die Reisenden fest. Nicht „Menschen im Hotel“, sondern „Menschen im Terminal“ werden gezeigt, natürlich die extrovertierten. Es ist die laute Minderheit, die die leise Mehrheit mal unterhält, mal nervt, mal schockiert: Die Rechtsradikale, die dem Holocaust angesichts der wachsenden Weltbevölkerung etwas Gutes abgewinnen kann, der rassistische und sexistische Trumpist, der moralfreie Hedonist, der vermeintlich Todkranke, der Frau und Kind sitzen lässt, der im Alkohol Trost suchende gescheiterte Künstler, der Zuhälter. Da kommt viel Abstoßendes, Ordinäres und Spaßiges zusammen. Dies ist dann manchmal so gewagt, dass am Schluss des Stücks sicherheitshalber ein Hauptdarsteller vor das Publikum tritt und mit Tucholsky ausruft: „Satire darf alles“.

 

Damit sind die ZuschauerInnen nicht dem Zwang enthoben, über ihre Reaktion nachzudenken, wenn ihnen allzu menschliches, aber eben doch inhumanes Gedankengut entgegengeschleudert würde. Schweigen oder gute Argumente finden, lautet hier die Alternative.


Eine großartige Premiere der Q1 des Siegburger Anno-Gymnasiums frei nach Helmut Krausser unter der Verantwortung von OStR Jochen Peters und StR Jessica Gillenkirch, inszeniert ohne Vorhang und Bühne ganz im Werkstattstil nicht in der Aula, sondern in der Mensa, mit Flugtickets als Eintrittskarten. Am Donnerstag, 9. Juni wieder im Anno-Gymnasium, am Dienstag, 14. Juni mit anschließender Diskussion im Beueler Pantheon, im Rahmen der spotlights, dem Schultheaterfestival der Jungen Theatergemeinde Bonn. 



Dr. Ralf Forsbach