Im Januar 2018 hatten wir das Glück, diese damals 93Jährige Auschwitz-Überlebende an unserer Schule persönlich erleben zu können. Die musikalische Begegnung mit der bis zuletzt unermüdlichen Zeitzeugin vor allem für junge Menschen hat tiefe Spuren hinterlassen.
EstherBejaranoEsther Bejarano und Microphone Mafia am Anno-Gymnasium 2018

Einen aktuellen Rückblick auf dieses vom Holocaust und von der Musik für Menschlichkeit gezeichnete Leben findet man hier:

https://www.tagesschau.de/inland/esther-bejarano-gestorben-101.html

Die Berichterstattung des WDR über den Besuch von Esther Bejarano am Anno gemeinsam mit der Kölner Hip Hop Band Microphone Mafia im Januar 2018 ist verfügbar unter dem folgenden Link:

https://youtu.be/Fa0-63-2CSk

Den Bericht kann man zudem hier nachlesen:

http://www.anno-gymnasium-su.de/index.php?option=com_content&view=article&id=780:sther-bejarano-ueberlebende-des-maedchenorchesters-von-auschwitz-liest-und-rappt-mit-microphone-mafia-auf-der-aula-buehne&catid=77&Itemid=101


Ein Nachruf auf Esther Bejarano (1924 - 2021) von Joachim Schneider

Esther Bejarano ist tot. Ein tapferes Herz hat aufgehört zu schlagen. Nur dem Zufall, dass es als Tochter eines Berliner Kantors das Klavierspielen erlernt hatte, verdankte das damals 18-jährige Mädchen mit jüdischen Wurzeln sein Leben: Im KZ Auschwitz sollte zur Unterhaltung des NS-Wachpersonals ein Mädchenorchester aufgebaut werden, bei dem noch eine Akkordeon-Spielerin fehlte.

Ohne jemals ein solches Instrument gespielt zu haben, konnte sie beim Probespielen auf Anhieb überzeu-gen und wurde in das Orchester aufgenommen. Somit wurde sie zwar von Zwangsarbeit verschont, muss-te allerdings sogar bei den Selektionen ihrer Mitgefangenen an der Rampe spielen.

Von Auschwitz wurde sie nach Ravensbrück verlegt, anschließend in das KZ-Außenlager Malchow, wo sie am 3. März 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurde. Nach dem Krieg musste sie erfahren, dass von ihren Verwandten nur ihr Bruder und ihre Schwester den NS-Terror überlebt hatten.

Ende 1945 wanderte sie nach Palästina aus und lebte bis 1960 im neu gegründeten Staat Israel. Danach kehrte sie nach Deutschland zurück. Hier betätigte sie sich zum einen musikalisch (so trat sie mit solchen Musik-Größen wie Harry Belafonte, Udo Lindenberg, Hannes Wader und Franz-Josef Degenhardt beim Konzert „Künstler für den Frieden“ auf), zum anderen begann sie aber auch ihre politische Arbeit mit der Aufarbeitung der NS-Zeit.


EstherBejanaro
Im Rahmen dieses Engagements besuchte Esther Bejarano als „Zeitzeugin“ des Holocaust bis ins hohe Alter auch Schulen, um über ihr Leben und den Terror der damaligen Zeit zu berichten und mit den Schülern zu diskutieren. Es war ihr ein immer ein Anliegen, die Jugendlichen sensibel für die ersten Anzeichen von Intoleranz und Faschismus zu machen, damit so etwas Schreckliches nie wieder passieren kann.

So kam Frau Bejarano mit der Hip-Hop-Band „Microphone Mafia“ im Rahmen der hier regelmäßig stattfindenden „Zeitzeugen-Gespräche“ Anfang 2018 auch ans Anno-Gymnasium. Die Schülerinnen und Schüler beeindruckte die damals schon 93-Jährige mit ihrer Musikalität, ihrer Vitalität und Energie und ihrem beständigen Eintreten für die Menschlichkeit. Wenn man die Augen schloss, so hätte man niemals den Eindruck gehabt, dass sie mehr als doppelt so alt war wie ihre übrigen Bandmitglieder. Mit ihren politischen Liedern versetzte sie die Zuhörer in der Aula der Schule in Begeisterung und ihre eindringlichen Worte bewegten Schülerinnen und Schüler.


Welchen Eindruck dieser Auftritt bei den damals anwesenden Jugendlichen hinterlassen hatte, zeigt sich darin, dass viele Ehemalige des Anno-Gymnasiums jetzt nach dem Tod von Esther Bejarano spontan und unabhängig voneinander ein Gedenken auf ihren Instagram-Accounts veröffentlicht haben.


Das Anno-Gymnasium erinnert sich dankbar einer tapferen und starken Frau.